Unvergessliches Karate-Wochenende mit Sensei Marchini und Restelli im Budokan
28.10.2011

Unvergessliches Karate-Wochenende mit Sensei Marchini und Restelli im Budokan

Mehr als 100 junge und fortgeschrittene Karateka aus vielen Vereinen Ober- österreichs und anderer Bundesländer fanden sich am letzten Oktober- Wochenende im Budokan ein, um unter Leitung der Sensei Marchini und Restelli aus Italien gemeinsam den 21. Karatedo-Lehrgang zu erleben.
Hausherr Sensei Ewald Roth begrüßte alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer und insbesondere die beiden Sensei aus Mailand. Nach der traditionellen Begrüßung startete das erste Training mit einer interessanten Form des Aufwärmens, das durchaus hohe Ansprüche an den Körper und den Geist gleichermassen stellte. Die Übungen enthalten Techniken zu Dehnung und Kräftigung des Körpers, zur Koordination und auch zur Schulung des Geistes und der Aufmerksamkeit.

Das eigentliche Karate-Training unter Leitung von Sensei Marchini begann wie gewohnt mit Kihon. Die einfach scheinenden Kihon-Übungen zeigten den meisten Karateka aber vom Beginn an, wie wichtig ein wacher Geist und ein vorbereiteter Körper für eine korrekte Ausführung sind. Der Meister zeigte uns sehr deutlich, welcher Unterschied in der Technik liegt, wenn man sie - wie viele von uns -  "einfach ausführt", was bedeutet, daß kein Kime in der Technik liegt. Sensei Marchini betonte, daß eine solche Übung nicht dem Geist des Karate do entspricht und auch kein Beitrag zur Verbesser- ung der eigenen Könnens ist. Jedes Trainingsdetail muß mit dem entsprechenden Ernst ("Kime") ausgeführt werden. Das Prinzip gilt ja im übrigen für alle Bereiche des Lebens: z.B. entwickelt auch ein Kind eine Form von Kime, wenn es intensiv und in sich versunken spielt oder der Koch, der mit "Kime" die Speisen zubereitet wird wesentlich bessere Ergebnisse erzielen. Jede Übung im Karate do, die ohne Kime ("ohne den richtigen Geist") ausgeführt wird ist grundsätzlich wertlos und trägt nichts zur Verbesserung bei.

In diesem Lehrgang erarbeitete Maestro Marchini mit uns intensiv das Prinzip von uke, das ja grund- sätzlich mit "blocken" übersetzt wird. In vielen Kata werden uke aber im Vorwärtsgehen ausgeführt, was im ersten Moment ein Widerspruch zu sein scheint, denn üblicherweise würde man beim abblocken eines Angriffes unter Anwendung einer Blocktechnik nach hinten oder zur Seite auswei- chen. Im tieferen Verständnis des Karate kann man uke auch übersetzen mit "empfangen", was eben noch auf andere Dimensionen des Kampfes hinweist. Mit einer sehr einfachen Technikkombi- nation mit dem Partner eröffnete uns Sensei Marchini ein erweitertes Verständnis des Konzeptes. Er zeigte auch in seinen Demonstrationen, welche Möglichkeiten z.B. im age uke innewohnen, wenn man sich in aller Tiefe alleine mit dieser "Block"-Technik beschäftigt.

Eine deutliche Steigerung der Erkenntnislage brachte dann noch ein weiteres Thema, indem uns Sensei Marchini das Konzept des Bunkai von Kata in einer grundlegenden Form bunkai kiso demonstrierte. Dabei wird mit dem Partner jede Technikkombination einer Kata mit den entsprech- enden Angriffsmöglichkeiten ausgeführt und dabei sehr komplexe Zusammenhänge, wie korrekte Bewegungsabläufe, kamae-Positionen, die richtige Distanz, etc. intensiv geübt. Für alle Karateka eröffnete sich dabei eine neue Dimension von ungeahnter Tiefe im Verständnis von Kata und den innewohnenden Anwendungsmöglichkeiten. Der Sensei wies uns aber eindringlich darauf hin, daß es sich dabei um die (extrem wichtige) unterste Ebene der intensiven Übung zum Verständ- nis von Kata handelt. Erst wenn diese Stufe der Erkenntnis beim Karateka verinnerlicht ist, kann die nächste Stufe erarbeitet werden.

Bereits die erste Lehrgangseinheit zeigte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, was Karate do als Kampfkunst bedeutet und welche Herausforderungen den Karateka auf seinem persönlichen Weg erwarten. Sensei Marchini setzte seinen Zugang zum Karatedo konsequent während des gesamten Lehrgangswochenendes in den Trainingseinheiten um. Es gelang ihm, allen Übenden diese intensive Form des Eintauchens in die Kampfkunst zu vermitteln und sie ein Stück weit auf diesen Weg zu begleiten - weitergehen müssen sie allerdings selber, denn es ist nicht der Meister, der den Erfolg bestimmt, sondern der Schüler mit seinem Tun und seiner Einstellung, wie sie Sensei Marchini vorlebt: die Übung findet nur dann ihren Sinn, wenn sie mit der entsprechenden Ernst- haftigkeit (Kime) und dem richtigen Geist ausgeführt wird...und dafür ist niemand anderer als man selbst verantwortlich!

Es war wieder ein besonders tiefgreifender Lehrgang, der uns den Weg des Karate deutlich zeigte, aber nicht nur das: auch wieder die Erkenntnis, daß alle Konzepte des Karatedo auch im täglichen Leben ihre unbedingte Gültigkeit haben, war zu spüren und zu erleben - herzlichen Dank an Sensei Marchini und Restelli für diese Erfahrungen!

Ein herzliches Danke auch an Prof. Josef Derflinger, der diesen Lehrgang in den vielen tollen Bildern festgehalten hat.
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